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Wie Blockchains unser Leben verändern werden

Von Michael Wutzke, , aktualisiert

Blockchain-Entwicklung Frankfurt: Cardano, Ethereum, XEP, Electra Protocol

Es ist interessant: Von Bitcoin haben inzwischen die meisten Menschen gehört. Aber nur sehr wenige haben sich näher mit dem Hype um Bitcoin und die anderen Blockchains beschäftigt. Warum sollte man das unbedingt tun? Manche halten Kryptowährungen wie Bitcoin ja nur für etwas für Zocker, Kriminelle und Spekulanten. Aus dem Prototyp Bitcoin entstehen derzeit aber neue Technologien, die unser Leben in den kommenden Jahrzehnten verändern werden.

Der Veteran: Bitcoin

Die Technologie hinter Kryptowährungen heißt Blockchain. Transaktionen werden in einer großen Logdatei gespeichert, die Dritte nicht verändern können. Diese Logdatei liegt aber nicht auf einem zentralen Server. Sie ist auf Hunderte oder Tausende Rechner weltweit verteilt, die zusammen das jeweilige Blockchain-Netzwerk bilden. Bei einer Blockchain gibt es auch keinen Betreiber, der das Netzwerk kontrolliert. Damit eignet sich die Blockchain für alle Anwendungen, die fälschungssicher sein sollen, und das waren bisher vor allem Finanztransaktionen. Bitcoin ist die Urform aller Blockchains und konnte seine Vorherrschaft über die Jahre ausbauen. Damit könnte es aber bald vorbei sein: Der Anteil von Bitcoin an der Marktkapitalisierung des Gesamtmarkts sinkt derzeit stetig.

Smart Contracts bringen Logik in Blockchains

Inzwischen haben findige Entwickler das Konzept der Bitcoin-Blockchain weiterentwickelt und eigene Softwareprojekte gestartet. So entstanden Blockchains wie Ethereum, die mehr sein wollen als ein Speicher für eine virtuelle Währung. Auf solchen modernen Blockchains lassen sich sogenannte „Smart Contracts“ ausführen.

Ein Smart Contract ist ein virtueller Vertrag: Transaktionen werden erst dann tatsächlich ausgeführt, wenn eine oder mehrere Bedingungen erfüllt sind. Viele neue Token nutzen im Hintergrund die Ethereum-Blockchain, um Transaktionen zu steuern. So lässt sich auf Ethereum zum Beispiel eine Auktion mit einem Smart Contract programmieren: Am Ende der Auktion erhält der Höchstbietende den Zuschlag und zahlt als Einziger den Preis, alle anderen bekommen ihren Einsatz automatisch zurück. Ethereum wird oft als „zweite Generation“ der Blockchains bezeichnet. Im Grunde ist Ethereum so etwas wie ein Betriebssystem für Transaktionen.

Mit diesen Transaktionen lassen sich Zahlungen austauschen, theoretisch aber auch andere Dinge wie Eigentumsrechte.

Überblick über die Blockchains

Im Juni 2021 war die Marktkapitalisierung der größten Kryptowährungen hoch: Mehr als 1 Billion Euro stecken inzwischen in Tausenden Kryptowährungen. Am 1. Juni 2021 waren das die fünf größten Kryptowährungen:

Bitcoin (BTC), 560 Milliarden Euro Ethereum (ETH), 249 Milliarden Euro Tether (USDT), 50 Milliarden Euro Cardano (ADA), 46 Milliarden Euro Binance Coin (BNB), 45 Milliarden Euro

Menschen und Unternehmen investieren aus ganz unterschiedlichen Gründen in Kryptowährungen. Die einen wollen auf eine Wertsteigerung spekulieren. Andere warten auf neue Lösungen mit der Blockchain und investieren deshalb in die verschiedenen Blockchain-Protokolle.

Das hat einen guten Grund: Blockchain ist nicht gleich Blockchain. Jede Blockchain versucht, ein bestimmtes Problem zu lösen. Bitcoin ist nur ein Wertspeicher wie Gold. Ethereum ermöglicht komplexe Transaktionen, hat wegen seines unerwarteten Erfolgs aber zahlreiche Nachteile. Wegen der vielen Transaktionen ist das Ethereum-Netzwerk derzeit so überlastet, dass die Transaktionskosten stark gestiegen sind. Wer einen Betrag im Wert von 50 Euro über das Ethereum-Netzwerk verschickt, zahlt nicht selten 10 Euro Gebühren. Ethereum leidet also unter seinem eigenen Erfolg. Als Folge davon entwickelt sich die Kryptowährung ETH inzwischen zu einem Wertspeicher, so wie früher Bitcoin.

Die dritte Generation der Blockchains

Des einen Leid ist des anderen Freud. Die technischen Probleme von Ethereum sind seit einigen Jahren bekannt und werden jetzt von alternativen Blockchains gelöst. Sie heißen Polkadot, Cardano oder Avalanche und wollen nichts weniger als die Weiterentwicklung der bisherigen Blockchains: schnelle Transaktionen, niedrige Gebühren und Skalierbarkeit. Cardano stellt im Herbst 2021 erstmals programmierbare Smart Contracts bereit. Aber auch Neulinge wie das Electra Protocol (XEP) stehen in den Startlöchern und wollen den Zahlungsverkehr als Alternative zu Tech-Konzernen wie Google oder Apple revolutionieren.

Bei den alternativen Blockchains der „dritten Generation“ herrscht derzeit echte Goldgräberstimmung. Anders als Bitcoin und Ethereum sollen sie neben Finanztransaktionen auch für zahlreiche andere Anwendungsfälle dienen.

Mit einer der neuen Blockchains wird es zum Beispiel möglich sein, die Lieferkette eines Produkts bis zum Hersteller zurückzuverfolgen, um eine Frage wie diese zu beantworten: Ist das wirklich eine originale Bremsscheibe von Volkswagen?

Selbstfahrende Autos werden über eine Blockchain miteinander kommunizieren, ohne auf eine Cloud von Google oder Microsoft angewiesen zu sein. Eine Versicherung wird künftig Policen auf Basis von Blockchain-Verträgen ausstellen. Und eine Bank wird Kredite über eine Blockchain vergeben. Oder etwas komplizierter ausgedrückt: Das finanzierte Auto springt in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr an, wenn die zugehörige Versicherungsprämie nicht bezahlt wurde. Die Anwendungsfälle für Blockchains sind nahezu grenzenlos.

In weniger als einem Jahrzehnt wird es wahrscheinlich Hunderttausende verschiedene Blockchains geben, und die meisten davon werden miteinander kommunizieren können. Manche werden öffentlich sein, manche privat. Was heute futuristisch klingt, wird im nächsten Jahrzehnt so normal sein wie heute die Nutzung eines Smartphones.

Ausblick

Für mich ist eines ganz klar: Diese Entwicklungen werden Banken, Versicherungen und Immobilienunternehmen stark treffen, wenn die Marktteilnehmer die Blockchain-Technologie nicht schon heute berücksichtigen.

Disruption muss nicht negativ sein. Sie kann auch ganz neue Geschäftsfelder eröffnen. Dank Smart Contracts sitzen die Kunden von morgen vielleicht nicht mehr in Wanne-Eickel, sondern in Frankreich, Brasilien oder Vietnam.

Willkommen in der neuen Zeit.