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Interaktionsdesign

Über Grenzen hinaus

In größeren Entwicklungsteams gibt es Fachleute für einzelne Teile einer Anwendung. Produktentwickler liefern zum Beispiel das Konzept, UI-Experten entwerfen die Mockups, und Grafikdesigner sorgen für ein ansprechendes Design. In so einem Team gelten Programmierer oft nur als diejenigen, die das Design in eine lauffähige Anwendung übersetzen.

Ein erfolgreiches Produkt ist mehr als eine Sammlung interaktiver Mockups. Bauen sollten die Anwendung Entwickler, die Liebe zum Detail haben, die Endnutzer im Blick behalten und darauf achten, dass das Produkt leicht zu verstehen und zu bedienen ist. Ich habe in diesen Feldern immer wieder in verschiedenen Positionen gearbeitet, mit dem Schwerpunkt mal auf Konzept, Design, Programmierung, Deployment, Test oder Projektmanagement. Für mich ist ein Produkt dann erfolgreich, wenn es seine Nutzer zufriedenstellt.

Interaktionsdesign lässt sich einfach (aber nicht vereinfacht) beschreiben: Es ist die Gestaltung der Interaktion zwischen Nutzern und Produkten. Meist geht es dabei um Softwareprodukte wie Apps oder Websites. Interaktionsdesign will Produkte schaffen, mit denen Nutzer ihr Ziel so gut wie möglich erreichen.

Gesichter verärgerter Menschen

Dimensionen des Interaktionsdesigns

Wenn diese Definition weit gefasst klingt, liegt das am Fach selbst: Die Interaktion zwischen Nutzer und Produkt umfasst oft Elemente wie Ästhetik, Bewegung, Klang, Raum und vieles mehr. Jedes dieser Elemente hat wiederum eigene Spezialgebiete, etwa das Sounddesign, das die Klänge für Nutzerinteraktionen gestaltet.

Wie Sie vielleicht schon ahnen, überschneiden sich Interaktionsdesign und UX-Design stark. UX-Design gestaltet schließlich das Erlebnis bei der Nutzung eines Produkts, und dieses Erlebnis besteht größtenteils aus Interaktion zwischen Nutzer und Produkt. UX-Design umfasst aber mehr als Interaktionsdesign: Dazu gehören auch Nutzerforschung (wer sind die Nutzer überhaupt?), Personas (warum und unter welchen Bedingungen nutzen sie das Produkt?), Nutzertests, Usability-Tests und anderes. Kurz gesagt: Wenn wir von Interaktionsdesign sprechen, meinen wir die Abstimmung folgender Dinge:

Wörter

Wörter, vor allem in Interaktionen wie die Beschriftung von Buttons, sollten aussagekräftig und leicht verständlich sein. Sie sollen Nutzern Informationen vermitteln, aber nicht so viele, dass es sie überfordert. Ein Buttontext sollte immer den nächsten Schritt vorwegnehmen (zum Beispiel „Zum Artikel“ statt „Weiter“). Und eine Überschrift sollte keine leere Einleitung sein, sondern Lust auf den nächsten Abschnitt machen.

Visuelle Darstellung

Gemeint sind grafische Elemente wie Bilder, Typografie und Icons, mit denen Nutzer interagieren. Sie ergänzen meist die Wörter, mit denen ein Produkt Informationen vermittelt.

Arbeiten Sie mit grafischen Elementen, die Nutzer von anderen Stellen im Internet kennen. Verwenden Sie Bilder, die nicht nach Stockmaterial aussehen und Nutzern das Gefühl geben, am richtigen Ort zu sein.

Objekte und Raum

Wie interagieren Nutzer mit dem Produkt? Auf dem Smartphone, mit den Fingern? Und in welchem physischen Raum geschieht das? Steht der Nutzer zum Beispiel in einem vollen Zug und bedient die App auf dem Smartphone, oder sitzt er im Büro am Schreibtisch und surft auf der Website? All das beeinflusst die Interaktion zwischen Nutzer und Produkt. Es fließt auch in die Auswahl und Anordnung digitaler Objekte ein und in den Raum des Viewports selbst. Schließlich lebt jede Anwendung auch vom Weißraum.

Zeit

Diese Dimension betrifft Medien, die sich mit der Zeit verändern (Animationen, Videos, Klänge). Bewegung und Klang geben Nutzern visuelles und akustisches Feedback auf ihre Interaktionen und spielen dabei eine wichtige Rolle. Dazu kommt die Zeit, die jemand mit dem Produkt verbringt: Kann er seinen Fortschritt verfolgen oder die Interaktion später fortsetzen?

Verhalten

Hierzu gehört die Mechanik eines Produkts: Wie führen Nutzer Aktionen auf der Website oder in der App aus? Wie bedienen sie das Produkt? Anders gesagt geht es darum, wie die bisherigen Dimensionen die Interaktionen eines Produkts festlegen. Dazu gehören auch Reaktionen, etwa die Gefühle oder das Feedback der Nutzer.

Wussten Sie schon …? Wenn Sie im Gespräch einen Grund für Ihre Aussage nennen, steigt Ihre Chance, Ihr Gegenüber zu überzeugen, im Durchschnitt um 25 Prozent gegenüber einer Aussage ohne Begründung.

Michael Wutzke, Usability-Experte Frankfurt

Typische Aufgaben

Sie fragen sich vielleicht, was ein Interaktionsdesigner eigentlich tut. Die Antwort ist einfach: Das hängt vom Projekt und vom übrigen Team ab.

Ist ein Unternehmen groß genug und hat es die Mittel, gibt es dort womöglich getrennte Stellen für UX-Designer und Interaktionsdesigner. Ein großes Designteam hat vielleicht einen UX-Researcher, einen Informationsarchitekten, einen Interaktionsdesigner und einen visuellen Designer. In kleineren Unternehmen und Teams erledigen dagegen oft ein oder zwei Personen den größten Teil der UX-Arbeit, ob sie nun den Titel „Interaction Designer“ tragen oder nicht. Hier einige Aufgaben, die Entwickler häufig im Arbeitsalltag übernehmen:

Designstrategie

Die Designstrategie fragt, welche Ziele ein Nutzer hat und welche Interaktionen er braucht, um sie zu erreichen. Je nach Unternehmen müssen Interaktionsdesigner erst Nutzerforschung betreiben, um die Ziele der Nutzer zu kennen. Danach entwickeln sie eine Strategie, die diese Ziele in Interaktionen übersetzt.

Prototypen

Als Entwickler habe ich auch interaktive Mockups und Wireframes erstellt, die mögliche Nutzerinteraktionen simulieren. Diese Klickdummys sind funktionsfähige Prototypen, die genau wie die fertige App oder Website aussehen, bevor sie tatsächlich programmiert werden.

Kunden und Nutzer gewinnen: der nächste Schritt

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